Waldbrände in Österreich


Entstehung von Waldbränden

Jedes Feuer benötigt für seine Entstehung drei Dinge: Oxidationsmittel (meist Sauerstoff), brennbares Material und Zündenergie.

Diese Elemente müssen in einer geeigneten Mischung vorliegen, damit der Verbrennungsprozess starten kann. Bei Waldbränden in Österreich sind die besonderen klimatischen und vegetationskundlichen Rahmenbedingungen von alpinen Waldökosystemen zu berücksichtigen.

Für das Verhalten von Waldbränden sind das Brennmaterial, das Wetter und die Topografie maßgebend.

Das Brennmaterial beschreibt die Gehölzart und seine Ausformung, den Anteil, Zustand und die Verteilung von Totholz, den Bodenbewuchs, das Feinmaterial und den Humus. Bei den meteorologischen Parametern sind Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit und (lokale) Windverhältnisse entscheidend. Aus diesen vier Faktoren ergibt sich die Trockenheit der Bodenstreu, der wichtigste Parameter für die Entzündung von Vegetationsbränden. Zur Topografie zählen Seehöhe, Exposition und die Hangneigung. So sind nach Süden ausgerichtete Hänge meist stärker gefährdet, da sie im Frühjahr zeitiger schneefrei sind und rascher trocken fallen. Auf diese Weise bieten sie bessere Vorraussetzung für Waldbrände, als nach Norden weisende Standorte.

Ursachen von Waldbränden

Hinsichtlich der Ursachen unterscheidet man zwischen natürlich entstandenen und durch den Menschen ausgelösten (anthropogen bedingten) Waldbränden. Weltweit gesehen werden über 90% aller Waldbrände direkt oder indirekt durch menschliche Tätigkeiten ausgelöst, in Österreich sind es etwa 85%. Folgende Ursachen können festgestellt werden:

  • achtlos weggeworfene Zigaretten (in Österreich vmtl. die häufigste Ursache)
  • Feuer außer Kontrolle (Abbrennarbeiten, angezündete Laubhaufen, Sonnwend- oder Lagerfeuer)
  • ausgebrachte heiße Asche
  • Brandstiftung/spielende Kinder
  • Feuerwerkskörper
  • gerissene Stromleitungen (oft bei Sturmereignissen)
  • Funkenflug von Zügen
  • Schießübungen des Bundesheeres

Entgegen der landläufigen und häufig kolportierten Meinung, ist die Brandauslöse durch Glasflaschen oder -scherben höchst unwahrscheinlich, wie Untersuchungen an der Technischen Universität Braunschweig nachgewiesen haben.

Die wichtigste und in Österreich einzig relevante natürliche Ursache für Waldbrände sind Blitzschläge. In den Sommermonaten kann der Anteil an Blitzschlagbränden bis zu 40% ausmachen. Gefährdet sind hier besonders Gebirgswälder. Durch die schwere Erreichbarkeit und kritische Wasserzufuhr stellen solche Brände die Feuerwehren vor große Herausforderungen, auch weil Blitzschlagbrände nicht selten als schwer zu löschende Erdfeuer auftreten.

Arten von Waldbränden

Man unterscheidet drei Arten von Waldbränden, die jedoch oft in Kombination auftreten:

  • ERDFEUER, GLIMM- oder HUMUSBRÄNDE laufen meist unterirdisch ab. Oft ist keine oder nur geringe Flammenentwicklung feststellbar. Es wird Streu und unterirdisches Material (Humus) verbrannt. Das Feuer breitet sich in der Regel nur sehr langsam aus.
  • BODEN- oder LAUFFEUER sind rascher voranschreitende Feuer, bei denen die Bodenvegetation, Büsche, Blätter und herabgefallene Äste verbrennen. Das Feuer breitet sich vertikal nur geringfügig aus, die Flammenhöhen betragen meist nicht mehr als 1-2m. Die Intensität eines Oberflächenfeuers, also das Ausmaß der Wärmefreisetzung, kann von sehr niedrig bis sehr hoch reichen.
  • KRONENFEUER sind intensive und heftige Feuer, die sich von der Bodenoberfläche zu den Baumkronen ausbreiten. In der Regel benötigen sie zahlreich vorhandenen Brennstoff sowie Baumkronen in nicht zu großen Abständen. Sie treten vor allem dann auf, wenn genügend Bodenmaterial in Brand gesetzt wurde. Häufig entstehen sie im Zuge starker Windströmungen und/oder an steilen Hängen. Man unterscheidet passive Kronenfeuer, wobei nur einzelne Bäume bzw. Baumgruppen zur Gänze verbrennen und die Flammen anschließend wieder in den Bodenbereich zurückfallen, und aktive Kronenfeuer, bei denen ein großflächiger VOLLBRAND verzeichnet wird, der auch massiven Funkenflug auslösen kann. Vom Wind getriebene Kronenfeuer können sich kilometerweit ausbreiten, bis entweder die Lufttemperatur genügend abnimmt oder zu wenig Brennstoff vorhanden ist. Unabhängige Kronenfeuer, bei denen das Kronenfeuer dem Bodenfeuer kilometerweit vorauslaufen kann, sind unter extremen Bedingungen möglich, in Mitteleuropa aber sehr unwahrscheinlich.

Informationen und Forschungsprojekte zur Thematik Waldbrand

Im Spätherbst 2015 wurde AFFRI 2 gestartet, das Folgeprojekt zu AFFRI, der österreichischen Forschungsinitiative Waldbrand. Im Rahmen der vierjährigen Bund-Länder-Kooperation sollen die Arbeiten aus AFFRI fortgeführt und erweitert werden. So ist unter anderem die Entwicklung des Prototyps eines mehrdimensionalen Waldbrandvorwarnsystems geplant, wobei nicht nur das Wetter, sondern auch die Topografie, Vegetation und sozioökonomische Faktoren berücksichtigt werden sollen.

Seit Anfang März 2013 ist die Waldbrand-Datenbank Österreich online. Die interaktive WebGIS Applikation ermöglicht Interessierten Zugriff auf die umfassendste Waldbrand-Datenbank in Österreich. Individuelle Abfragen und Statistiken können erstellt und neue Vegetationsbrände gemeldet werden. Weitere Informationen finden Sie hier.

Im Zuge des Projektes FIRIA (Fire Risk and Vulnerability of Austrian Forests under the Impact of Climate Change) wurden die Zusammenhänge zwischen historischen Aufzeichnungen von Waldbränden, der Vegetationszusammensetzung und Waldbrandindizes untersucht. Es wurde untersucht, ob sich die veränderlichen Umweltbedingungen (Stichwort: Klimawandel) und sozioökonomischen Rahmenbedingungen auf die Schutzerfüllung von Wäldern im alpinen Raum auswirken.

Im Rahmen des EU-Projekts ALP FFIRS konnte ein alpinweites Warnsystem entwickelt werden, welches das aktuelle Wettergeschehen und die vorhandene Vegetation berücksichtigt.

Durch die europaweite Kooperation im Rahmen des regionalen Euro-Alpin Netzwerks für Waldbrände am GFMC (Global Fire Monitoring Center) in Freiburg wird eine alpenweit abgestimmte Vorgehensweise sichergestellt.

Weitere Informationen und Forschungsprojekte zur Thematik Waldbrand finden sich bei waldwissen.net, der von Deutschland, Österreich und der Schweiz betriebenen Plattform für Waldforschungsfragen.