CONES


CONES - Computergestützte Optimierung von Nutzungseingriffen im Seilgelände

Ausgangslage

In Mitteleuropa wird die umfassende Berücksichtung der Prinzipien einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung immer bedeutender. Neben der Sicherung einer funktionalen Nachhaltigkeit werden vermehrt auch Aspekte der Risikominimierung und der Erhaltung von Biodiversität berücksichtigt. Generell werden dabei standortsangepasste Mischbestände und kleinflächige Waldbaumethoden als eine Möglichkeit angesehen, diese Ziele integrativ zu verfolgen. Naturnahe Bewirtschaftungsmethoden sind dabei durch einen freien Waldbaustil gekennzeichnet, der unter Erhaltung einer möglichst dauernden Überschirmung kleinflächige bis einzelstammweise Eingriffe zur Steuerung der Produktion vorsieht (Mayer und Ott, 1991).

Die Tatsache, dass dies zu geringerem und zu räumlich weniger konzentriertem Holzanfall je Eingriff führen kann, stellt die Forsttechnik immer wieder neu vor die Herausforderung, wirtschaftliche Holzerntesysteme für diese veränderten Rahmenbedingungen zu entwickeln. Besonders dringlich stellt sich dieses Problem in den Gebirgslagen Österreichs, wo 25 % der Waldfläche eine Hangneigung von mehr als 60% aufweisen und der Einsatz von seilgestützten Rückesystemen zwingend erforderlich ist.

Unter diesen Rahmenbedingungen ist eine besonders sorgfältige Einsatzplanung erforderlich (Heinimann, 1986, Trzesniowski, 1993). Dabei können insbesondere zwei Problembereiche identifiziert werden:

  • Die getrennte, oftmals auch konkurrierende Betrachtung von waldbaulicher Planung und Nutzungseingriffen und dem anschließenden Versuch, diese auch technisch und wirtschaftlich vertretbar umzusetzen, führt oftmals zu keinen optimalen Lösungen.
  • Aus der Einsicht, dass Technologieeinsatz nicht nur die Lösung von Problemen ermöglicht, sondern auch Gefahren in sich birgt, entstand die Forderung, neben wirtschaftlich geprägten Nutzenüberlegungen auch mögliche negative Auswirkungen und Risken in der Entscheidungsfindung mit zu berücksichtigen (Heinimann, 1996). Formale Ansätze einer Technikfolgenabschätzung, wie sie in anderen Fachgebieten schon seit längerem eingesetzt werden (u.a. Bullinger, 1994; Dierkes, 1993), fehlen in Bezug auf Maßnahmen in der Waldbewirtschaftung allerdings weitgehend.

Forschungsprojekt CONES
"Computergestützte Entscheidungshilfe für Nutzungseingriffen in Gebirgswaldbeständen"

Die Österreichischen Bundesforste (ÖBF) AG haben einen großen Anteil ihrer Waldflächen in Gebirgslagen und sind daher im Rahmen der Verjüngung von Waldbeständen in Gebirgslagen auf ein optimales Zusammenwirken von Forsttechnik und Waldbau angewiesen.

Die Entscheidungsträger vor Ort (Forsteinrichter, Revierförster, Forsttechniker) werden bei der Wahl einer optimalen Bewirtschaftungsoption angesichts der Komplexität dieses Entscheidungsproblems gefordert:

  • Raumbezug und Zeithorizont der umzusetzende Maßnahmen
  • Erfüllung von Mehrfachzielsetzungen
  • Vielzahl zu berücksichtigender Bestandes- und Standortsmerkmale

Deshalb wurde im Rahmen des Projektes CONES ("Computergestützte Optimierung von Nutzungseingriffen im Seilgelände") zur Unterstützung des Entscheidungsträgers eine praxisnahe und einfach handzuhabende räumliche Entscheidungshilfe entwickelt. Neben wirtschaftlichen Überlegungen bei der Auswahl einer Behandlungsmöglichkeit werden auch mögliche negative Auswirkungen berücksichtigt. Aufgrund der zu verarbeitenden Rauminformation (Topographie des Bestandes, Lage und Abfolge der Seillinien, Naturverjüngung) wurde die Entscheidungshilfe in dem geographischen Informationssystem ArcGIS eingebunden.

Bei der Entscheidungshilfe CONES wirken mehrere Modellkomponenten zusammen:

  • Für die einzelnen Teilprozesse (Fällung, Aufarbeitung und Rückung) bei der Holzernte am Steilhang werden Produktivitätsmodelle eingesetzt (STAMPFER 2002).
  • Der Bestandeswachstumssimulator PROGNAUS beschreibt das Wachstum und die Mortalität für die Baumarten der Planungseinheit in den einzelnen Durchmesserklassen aufgrund von Wachstumsfunktionen (HASENAUER 2000).
  • Zur Abschätzung des Schadensrisikos werden qualitative Responsemodelle eingesetzt, welche die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten eines Ereignisses zu beschreiben vermögen.
                                  

CONES v1.0 ermöglicht den systemanalytischen Vergleich von waldbaulichen Eingriffen bevor eine Entscheidung für das Sortiments- oder Baumverfahren getroffen werden muss. Es wird möglich, das Forsteinrichter und Forsttechniker gemeinsam an Lösungen arbeiten, die nicht nur den Waldbau oder die Forsttechnik optimieren, sondern beide Aspekte unter Berücksichtigung der räumlichen und zeitlicher Dimension berücksichtigen.

Die Entscheidungshilfe CONES v1.0 ist derzeit im Testbetrieb bei den Österreichischen Bundesforste AG bei der Planung von Nutzungseingriffen im Seilgelände eingesetzt und wurde kürzlich im Rahmen einer Diplomarbeit evaluiert (SALVENMOSER 2007).  

Für weitere Fragen oder Anregungen stehen Ihnen die Mitarbeiter des Instituts für Waldbau gerne zur Verfügung:

  • ao.Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. Manfred J. Lexer
  • ao.Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. Harald Vacik