Geschichte und Organisation


Im Jahre 1883 nimmt Prof. Hempel praktische Versuche im ehemaligen Versuchsgarten der aufgelassenen Forstlehranstalt Mariabrunn auf, ehe er im Herbst des Jahres 1884 den heutigen Versuchsgarten "Knödelhütte" am Wolfersberg beziehen kann. Das Gelände, eine ehemalige Saatschule, wird vom k.u.k. Domänenärar auf der Basis 10jähriger Verträge gepachtet, welche immer wieder verlängert werden. Gleichzeitig unterstützt das k.u.k Ackerbauministerium die Forschungsarbeiten im neuen Versuchsgarten mit einem Großauftrag: Anzuchtexperimente mit fremdländischen Baumarten werden durchgeführt und ein Teil der so gewonnen Forstpflanzen dem Domänenärar übergeben. Im Jahr 1936 versteht es Prof. Schreiber einen Vertrag auf unbestimmte Zeit auszuhandeln, allerdings immer noch gegen Naturalleistung von jährlich 20.000 Stück verschulter Forstpflanzen, die an die damals neu gegründeten Österreichischen Bundesforste (ÖBF) zu liefern sind. Erst Prof. Mayer gelingt es in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts die Naturalleistung in eine jährliche Lieferung von Publikationen des Institutes umzuwandeln. Mit dem aufkommenden Neoliberalismus gegen Ende des 20. Jahrhunderts werden die Österreichischen Bundesforste als selbständige ÖBF AG aus dem Staatshaushalt ausgegliedert, welche die staatlichen Forstliegenschaften übernimmt. Der "neue" Vertragsparter besteht erstmals in der Geschichte des Versuchsgarten auf einem Pachtentgelt.

In den Anfangsjahren leitet der Lehrstuhlinhaber persönlich den Versuchsgarten, die Arbeiten werden hauptsächlich mit Tagelöhnern und Strafgefangenen ausgeführt. Über dauerhaft angestelltes Fachpersonal im Versuchsgarten sind nur wenige Hinweise in alten Akten oder in der Literatur zu finden. Der später legendäre Gärtnermeister Franz Grath (vgl. Schreiber 1940) tritt um 1899 als Gärtner in den Dienst der Universität für Bodenkultur und ist später in der Position des leitenden Gärtnermeisters (Gartenmeister) für die Professoren Cieslar und Schreiber ein unverzichtbarer Mitarbeiter, der über ein unersetzliches Wissen zu allen Versuchen verfügt. Heute stehen dem Leiter des Versuchsgartens ein leitender Gärtnermeister, ein Gärtnermeister, eine Gärtnerin sowie ein Hilfsarbeiter zur Verfügung.

Mit den wachsenden Aufgaben in Forschung und Lehre erweitert sich die Zahl der wissenschaftlichen Assistenten von ursprünglich einem (Ära Hempel) auf heute fünf Assistenten. Sind die Assistenten früher hauptsächlich mit Zu- und Vorarbeiten für den Lehrstuhlinhaber beschäftigt, so ändert sich dieses Berufsbild in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts dahingehend, daß zunächst einzelne Assistenten selbständig Teilgebiete eines wissenschaftlichen Faches bearbeiten. Am Institut für Waldbau ist es Dozent Kral, der zunächst mit physiologischen Arbeiten an Forstpflanzen und später mit der Pollenanalyse an rezenten Pollenprofilen sich ein Forschungsfeld erschließt, welches er selbständig vertreten darf. Die beschleunigte Zunahme an Wissen gegen Ende des 20. Jahrhunderts hat zur Folge, daß heute alle fünf Assistenten am Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur Teilbereiche aus dem Fachgebiet "Waldbau" selbständig vertreten. Die Leitung des Versuchsgartens Knödelhütte wird organisatorisch dem Teilbereich "Forstgenetik und Forstliches Vermehrungsgut" angegliedert. Seit 1994 steht der Versuchsgarten unter der Leitung von Dr. Raphael Th. Klumpp.

Der forstliche Versuchsgarten "Knödelhütte" war seit Beginn für die Aufgaben in Forschung und Lehre auf dem Gebiet des Waldbaues angelegt worden. Organisatorisch war er stets ein Teil des Institutes für Waldbau, dessen Lehrstuhlinhaber auch den Garten leitete. Seit dem 1.1.1994 ist die Aufgabe der Leitung des Versuchsgartens an den Assistenten delegiert, der auch den wissenschaftlichen Teilbereich "Forstgenetik und Forstl. Vermehrungsgut" leitet. Mit der Neuorganisation der Universität nach dem UOG 2002 ist die Aufgabe des Institutsleiters vom Lehrstuhlinhaber abgekoppelt. Der Versuchsgarten ist immer noch Teil des Institutes für Waldbau, welches mittlerweile in das neu geschaffene "Department für Wald- und Bodenwissenschaften" eingegliedert ist.