Geschichte des Instituts für Waldbau


Einleitung

Das Institut für Waldbau wurde im Jahre 1875 als "Institut für forstliche Produktionslehre" gegründet und ist damit eines der ältesten Universitätsinstitute an der Universität für Bodenkultur Wien. Seit seiner Gründung haben 7 Professoren mit ihren Mitarbeitern die Geschichte des Institutes geprägt. Seit 2007 ist Univ.Prof. Dr. Hubert Hasenauer, Professor für Waldökosystemmanagement, Leiter des Institutes für Waldbau.

In den Gründerjahren des Institutes standen die Erkenntnisse für eine Abschätzung der Produktionsleistungen unterschiedlicher Baumarten mit ihren verschiedenen Herkünften im Zentrum der Forschungen. Dieses Interesse führte zur Gründung des Forstlichen Versuchsgartens Knödelhütte unter Gustav HEMPEL, dem ersten Waldbauprofessor in Österreich. Dieser Versuchsgarten ist noch heute Teil des Institutes und umfasst ein Areal von ca. 16 ha. Am 25. November 2013 konnte dort das "Gustav-Hempel-Haus" (ein Seminargebäude) eröffnet werden. Von seinen Nachfolgern Adolf CIESLAR und Max SCHREIBER wurde diese Idee weiterentwickelt und zahlreiche Provenienzversuche wurden etabliert. Leo TSCHERMAK beschäftigte sich mit den pflanzengeographischen Grundlagen des Waldbaues. Diese Linie wurde dann von Hannes MAYER mit seiner Idee eines naturnahen Waldbaus auf pflanzensoziologisch-ökologischer Grundlage sehr erfolgreich weiterentwickelt. Karl STOSZEK, geprägt von seinen früheren Arbeiten im Nordwesten der USA, propagierte den Waldökosystemansatz. Josef SPÖRK beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit der praktischen Umsetzung der Plenterwaldidee und deren Bedeutung für eine nachhaltige Waldwirtschaft. Ein großes Anliegen war ihm eine praxisorientierte Lehre im Wald.

Mit der Berufung von Hubert HASENAUER zum Professor für Waldökosystemmanagement gilt es, die Tradition und die Bedeutung des Waldbaues für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung fortzusetzen. Die heutigen Herausforderungen sind die Erarbeitung wissenschaftlicher Konzepte und Methoden für eine multifunktionale Waldwirtschaft im Gebirge, um damit die unterschiedlichen Bedürfnisse der Gesellschaft am Wald in ihren Leistungen und Wirkungen von Waldökosystemen sichern zu können. Waldökosystemmanagement wird dabei als Weiterentwicklung des traditionellen Waldbaus im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung des Ökosystems verstanden, das Veränderungen in den Wachstumsbedingungen (Stichwort Klimawandel) und den daraus resultierenden neuen Anforderungen an eine nachhaltige Waldwirtschaft methodisch integriert.

                                 

Rückblick

Gustav Hempel

Adolf Cieslar

Hannes Mayer

Gustav HEMPEL (1875-1904) wirkte seit dem Gründungsjahr der Fachgruppe als Professor für Waldbau an der Universität für Bodenkultur. Zusammen mit WILHELM (Professor für Botanik, BOKU) verfasste er ein noch heute vielzitiertes Grundlagenwerk über "Die Bäume und Sträucher des Waldes". Als im ausgehenden 20. Jahrhundert sich die Pflanzung als Kunstverjüngungsform immer mehr durchzusetzen begann, erkannte HEMPEL die Notwendigkeit des eigenen Versuchsgartens, um praxisnahe Forschung betreiben zu können. Er gründete im Jahre 1884 den heute zweitältesten forstlichen Versuchsgarten in Europa ("Knödelhütte") der heute an Areal von ca. 16 ha umfasst. Die dortigen Versuchsanlagen sind wichtige historische Informationen für einen modernen Waldbau.

Adolf CIESLAR (1904-1934) verhalf durch systematische Herkunftsversuche an Fichte, Weißkiefer und Lärche der Provenienzfrage zum Durchbruch. Zusammen mit P.K. SCHOTT (Rheinland-Pfalz) gilt er seither als Begründer der Forstgenetik. Cieslars Untersuchungen zur Ökologie der Waldbaumarten, insbesondere zur Lichtökologie sind ebenso hervorzuheben, wie seine Impulse für das Saatgutwesen.

Max SCHREIBER (1931-1939 / 1945-1965) vertiefte durch seine Versuche das Wissen um Herkünfte bei Lärche und Eiche sowie bei ausländischen Baumarten. Daneben galt sein Interesse ökologischen Studien an der Lärche.

Leo TSCHERMAK (1939-1945), der bereits in Warschau, Istanbul und Freiburg als Professor für Waldbau tätig war, ehe er an die BOKU berufen wurde, befasste sich intensiv mit den pflanzengeographischen Grundlagen des Waldbaues. Ihm verdankt Österreich die Gliederung des Landes in forstliche Wuchsbezirke, die später mehrfach aktualisiert wurde. Darüberhinaus begründete er durch seine Arbeiten über die Wälder des Balkans und Kleinasiens die Tradition der waldbaulichen Entwicklungszusammenarbeit unseres Institutes.

Hannes MAYER (1965-1990) ging den von TSCHERMAK vorgezeichneten Weg weiter und entwickelte den Waldbau auf pflanzensoziologisch-ökologischer Grundlage, der weltweite Beachtung fand. Dabei war dieser Weg tatsächlich weit mehr als nur eine theoretische Fortentwicklung des Faches. Vielmehr gelang MAYER damit eine wesentliche Hilfestellung für die forstliche Praxis, die es ermöglichte, einen standortsorientierten, naturnahen Waldbau zu betreiben, obwohl eine Standortskartierung, wie sie in den angrenzenden europäischen Ländern üblich ist, in Österreich nie durchgesetzt werden konnte. MAYER hat auf allen Gebieten des Waldbaues wichtige Impulse hinterlassen. Hierzu gehört sein Interesse für Urwälder als Referenzflächen für die Waldbewirtschaftung und die Förderung der Waldgeschichte (Palynologie), die von Professor Dr. Fiedrich KRAL aufgebaut wurde und Weltruf erlangte.

Karl STOSZEK (1991-1996) wurde zu einer Zeit berufen, wo organisatorische und inhaltliche Änderungen durch das Universitätsorganisationsgesetz Auswirkungen auf die Lehr- und Forschungstätigkeit des Institut für Waldbaus zeigten. STOSZEK der durch seine langjährige Tätigkeit im Nordwesten der USA geprägt ist, definierte die Rolle der waldbaulichen Tätigkeit in Waldökosystemen unter sich ändernden Rahmenbedingungen neu und führte den Begriff des adaptiven Waldbaus ein. Am Institut für Waldbau wurden die Fachgebiete Forstgenetik und die Sukzessionsmodellierung eingeführt.

Josef SPÖRK (1998-2004) fiel in eine Zeit, in welcher neben Änderungen am Studienplan drastische Sparmaßnahmen im Staatshaushalt ihre Auswirkungen auf den Institutsbetrieb zeigten. Sein Anliegen war es den "naturnahen Waldbau" weiter zu entwickeln und die Schnittstelle zwischen der Forschung und der Praxis zu gewährleisten. In seiner Zeit wurden unter anderem Kenntnisse über Genmarker, der Waldsukzessionsmodellierung, der Entscheidungsfindungssysteme zur Quantifizierung von Waldleistungen am Institut etabliert. In der Lehre war ihm der Praxisbezug auch ein großes Anliegen und verlegte daher die Waldbauvorlesung im Sommersemester vom Hörsaal ins Gelände.Weiters wurde das Waldbau-Institut im Jahre 2001 als eines der ersten Universitätsinstitute in Österreich ISO 9001 zertifiziert.