Institutsgeschichte


Im Jahr 1967 wurde das damalige Institut für Forstliche Ertragslehre an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien gegründet. Seit dem liefert es in den Feldern der Waldwachstumskunde, der Waldinventur und der Forstlichen Biometrie kontinuierliche Beiträge.

Die Schwerpunkte unserer Arbeit sind heute ähnlich wie schon damals die statistische Beschreibung von räumlichen und zeitlichen Prozessen in Waldökosystemen und die Entwicklung der Methodik für das Waldmonitoring. Insbesondere erforschen wir innovative Messtechnik für die Waldinventur und entwickeln effiziente statistische Schätz- und Prüfverfahren.

Revolutionierung der Waldinventur

In den Jahren von 1967 bis 1978 wurde das Institut von Walter Bitterlich geleitet. Bereits im Jahr 1948 begann er an seiner Idee der Winkelzählprobe zu arbeiten, die bald darauf zusammen mit seiner Erfindung des Relaskops die Waldinventur revolutionierte. Wegen ihrer überragenden Effizienz wird die „Bitterlich-Stichprobe“ heute in einer Vielzahl von Ländern bei nationalen und regionalen Waldinventuren angewendet. Das einfach anmutende Prinzip der Bitterlich-Stichprobe war seiner Zeit weit voraus. Noch beschäftigen sich Statistiker damit, die durch Winkelzählproben ausgedünnten Baummuster mit Hilfe stochastischer Theorien zu formulieren.

Statistische Modellierung des Waldwachstums

In den Jahren von 1979 bis 2013 leitete Hubert Sterba das Institut für Waldwachstum. Als eine der ersten Forschungsgruppen in Europa begann das Institut schon in den 1980er Jahren damit, das Wachstum der Wälder mit Hilfe von statistischen Wachstumsmodellen zu beschreiben. Anhand von umfangreichen Daten der Österreichischen Waldinventur wurde das Waldwachstumsmodell PrognAUS entwickelt. PrognAUS wird heute in größeren Kommunalwäldern und von der Österreichischen Bundesforsten AG erfolgreich für die Prognose der Waldentwicklung und zur Hiebssatzfindung eingesetzt. In langer Tradition wurden am Institut auch stets einfach zu handhabende Kalkulations- und Planungshilfen für die Forstpraxis entwickelt; darunter verschiedene regionale Ertragstafeln und moderne Volumsfunktionen.

In der Zeit des „Waldsterbens“, das aufgrund von atmosphärischen Immissionen vielerorts zu sichtbaren Kronenverlichtungen führte, konnten der Debatte wichtige Erkenntnisse aus ertragskundlichen Analysen beigetragen werden. Gegenwärtig hat dieser Forschungsbereich wieder große Bedeutung erlangt. Am Institut werden daher momentan die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf das Wachstum und die Widerstandskraft von Waldbäumen mit modernen statistischen Methoden analysiert und modelliert.

In den letzten Jahrzehnten konnte auch grundlegende theoretische Gesetzmäßigkeiten über das Wachstum der Waldbestände ergründet werden. Insbesondere gelang es, die Beziehungen zwischen der Stammzahlhaltung und der Konkurrenz von Waldbeständen in feste Regeln zu fassen.

Die Erforschung der theoretischen Mechanismen des Wachstums einzelner Bäume und ganzer Waldbestände wird heute in einem besonderen Forschungsschwerpunkt weiterverfolgt. In dessen Fokus wird derzeitig untersucht, welchen Einfluss zwischenartliche Interaktionen in Mischbeständen auf die Wuchseffizienz von Bäumen haben.