Wirkungsanalyse


Wirkungsanalyse von Forstprodukten und Dienstleistungen

Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung soll die Erfüllung unterschiedlicher Wirkungen des Waldes, die Befriedigung unterschiedlicher Ansprüche sowie auch die Bereitstellung verschiedener Produkte und Dienstleistungen unterstützen. Das bedeutet, dass eine Veränderung der Bewirtschaftung z.B. zugunsten von Nichtholzprodukten bzw. Dienstleistungen unterschiedliche Auswirkungen auf die Holzproduktion als Hauptnutzungsart haben wird:

  • Güter können parallel produziert werden (z.B. Holz und Beeren)
  • Güter wirken komplementär, d.h. durch die Produktion des einen, fällt ein anderes mit an (z.B. Holz und Waldhackgut)
  • eine Veränderung erfordert leichte Modifikationen der Bewirtschaftung (z.B. Mondphasenholz)
  • eine Veränderung erfordert drastische Eingriffe in die bisherige Produktion (z.B. Vertragsnaturschutz) und/oder ist durch starke rechtliche Einschränkungen betroffen (z.B. Schotterabbau)
  • eine Umstellung verursacht keine direkten Auswirkungen auf die Bewirtschaftung, führt zu verstärkten Interessenskonflikten (z.B. Mountainbiking).

Um die Wirkungen verschiedener Bewirtschaftungsansätze aufeinander in einem Forstbetrieb besser und nachvollziehbarer analysieren zu können, empfiehlt sich der Einsatz von Methoden wie der Wirkungsanalyse (ULRICH und PROBST 1995). Dabei wird in einer zweidimensionalen Matrix ermittelt, welche Art und Intensität des Einflusses zwischen jeweils 2 Elementen eines Systems wirken. Durch die Summenbildung aller paarweisen Vergleiche entsteht eine Kombination von Beeinflussungsmöglichkeit (in den Zeilen der Matrix) und Beeinflussbarkeit (in den Spalten) für jedes der einzelnen Elemente. Die nachfolgende Abbildung zeigt eine solche Wirkungsmatrix für ein verallgemeinertes Beispiel eines Forstbetriebs, für den angenommen wird, dass die ausgewählten Produkte und Dienstleistungen dort prinzipiell erzielbar sind (vgl. WOLFSLEHNER et al., 2007).     

                            

                 
Folgende vier Kategorien können unterschieden werden (ULRICH und PROBST 1995):

  • reaktive Elemente beeinflussen andere schwach, werden selbst aber stark von anderen beeinflusst
    (Quadrant A)
  • kritische Elemente beeinflussen andere stark und werden von anderen ebenfalls stark beeinflusst
    (Quadrant B)
  • träge Elemente beeinflussen andere schwach und werden von anderen ebenfalls schwach beeinflusst
    (Quadrant C)
  • aktive Elemente beeinflussen andere stark, werden selbst aber wenig von anderen beeinflusst
    (Quadrant D)

Es zeigt sich, dass ein Großteil der forstlichen Güter in die Kategorie C der trägen Elemente fällt, d.h. eine verstärkte Produktion und Vermarktung solcher Güter nur wenig gravierende Auswirkungen auf andere Elemente in der Bewirtschaftungsplanung eines Betriebs hat. Dienstleistungen wie z.B. das Angebot von Waldpädagogik berühren die forstliche Bewirtschaftung kaum, während Aktivitäten wie Harznutzung oder die Nutzung von Wasserkraft höchstens lokal wirken. Es fällt auf, das Holzprodukte (Sägerundholz, Biomasse, Brennholz) stärker in Richtung reaktiver Elemente (Kategorie A) tendieren.

Einerseits ist die Holzproduktion durch neue Ansprüche und Nutzungsinteressen stärkerer Beeinflussung unterworfen, andererseits ist durch die Langfristigkeit der Produktion die aktive Einflussnahme limitiert. Durch stärkeren Einfluss auf die Waldbewirtschaftung zeichnen sich die aktiven Güter der Kategorie C aus. Diese wirken entweder aus Sekundäreinflüssen wie bei Jagdbewirtschaftung oder der Waldweide oder durch gravierende Nutzungsänderungen wie z.B. bei Anlage einer Schottergewinnung. Als kritische Elemente (Kategorie B) stellen sich anhand der Wirkungsanalyse nur jene Dienstleitungen heraus, die mit starken rechtlichen Komponenten versehen sind. So ist es wenig überraschend, dass vor allem Vertragsnaturschutz oder Objektschutz starken normativen Einfluss auf die Waldbewirtschaftung nehmen, während die Qualität ihrer Erfüllung stark von übrigen Gegebenheiten im Forstbetrieb abhängt.